Genossenschaften entdecken
Genossenschaften entdecken
Für Friedrich Wilhelm Raiffeisen zählte das Wohl aller Menschen, nicht der Gewinn Einzelner. Heute stehen Genossenschaften für faire Finanzberatung, nachhaltige Landwirtschaft, umweltfreundliche Energieversorgung und bezahlbaren Wohnraum.
Raiffeisens Idee als weltweites Erfolgsmodell
Raiffeisens Idee ist hochaktuell. Die Grundidee von Genossenschaften ist, wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme gemeinsam zu lösen – basierend auf den Werten Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung der Mitglieder. Genossenschaften agieren nachhaltig und verantwortungsbewusst. Sie fördern ihre Mitglieder aktiv und sind tief in ihren Regionen verwurzelt.
Genossenschaften in Deutschland
Sie bilden das starke Rückgrat der mittelständischen Wirtschaft und ermöglichen ihren Mitgliedern Wohlstand und Sicherheit
Erfolgreich in vielfältigen Branchen
Nähe zum Kunden, Verantwortung in der Region und Partner des Mittelstandes – diese Prinzipien leiten die rund 670 deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie die Unternehmen der Genossenschaftlichen FinanzGruppe.
Die große Anzahl selbstständiger Genossenschaftsbanken stärkt die Stabilität des Finanzsektors – eine entscheidende Voraussetzung für eine nachhaltige gesamtwirtschaftliche Entwicklung.
Raiffeisens Genossenschaftsidee entstand im Agrarsektor und feiert dort bis heute große Erfolge. In Deutschland gibt es heute knapp 2.000 ländliche Genossenschaften. Nahezu alle Landwirte, Gärtner und Winzer sind Mitglied einer oder mehrerer dieser Genossenschaften. Diese versorgen ihre Mitglieder mit wichtigen Betriebsmitteln wie Saatgut und Futter. Zudem erfassen, verarbeiten oder vermarkten sie deren Erzeugnisse.
Energiegenossenschaften erleben einen regelrechten Boom. Die rund 1.000 im Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband organisierten Energiegenossenschaften verfolgen vielfältige Ziele: von der Stromerzeugung durch Photovoltaik, Windkraft oder Biogas über den Netzbetrieb bis zur Energievermarktung. Eines haben sie gemeinsam: Sie ermöglichen Bürgern, am nachhaltigen Umbau der Energieversorgung und der Umsetzung einer dezentralen Energiewende mitzuwirken.
Wohnraum ist besonders in Ballungsräumen knapp und teuer. Mitglieder der rund 1.800 Wohnungsgenossenschaften in Deutschland werden zu Miteigentümern und können so bei der Gestaltung ihrer Wohneinheiten mitbestimmen. Zudem können sie darauf vertrauen, dass die Interessen ihres Wohnungsunternehmens sich primär am Wohl der Mitglieder orientieren – und nicht an kurzfristigen Gewinnerwartungen von Spekulanten. Ein weiteres Plus ist das lebenslange Wohnrecht zu vergleichsweise günstigen Preisen.
Wer sich in ein Taxi setzt, hat gute Chancen, vom Angebot einer Dienstleistungsgenossenschaft zu profitieren. Auch die tageszeitung (taz) ist eine eG. Und nicht zuletzt ist der Lebensmittelhandel vielfach genossenschaftlich organisiert, vom Dorfladen bis zur überregionalen Kette wie REWE und Edeka. In Deutschland gibt es rund 1.400 gewerbliche Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften. Sie sind in über 45 Branchen tätig, immer öfter auch im Handwerk.
Mit dem Wunsch nach Partizipation und Hilfe zur Selbsthilfe retten sich Schwimmbäder, Kinos oder auch Verlage mit frischen Ideen vor der Schließung. Vielfach ermöglichen die Kooperationen auch neue Wohnformen für Alt und Jung. Arbeitgeber schließen sich genossenschaftlich zusammen, um ihre Mitarbeiter bei der Betreuung von Kindern oder der Pflege von Angehörigen zu unterstützen. Auch wenn es um die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben geht, spielen Sozialgenossenschaften eine zentrale Rolle.
Schülergenossenschaften boomen in Deutschland. Einige bauen Möbel, andere betreiben Schulkioske, Imkereien oder Cafés, bieten PC-Dienstleistungen an oder geben eine Schülerzeitung heraus. Bundesweit sind Schülerinnen und Schüler in rund 200 Schülergenossenschaften organisiert. Hier erhalten sie vielseitige Einblicke in ein solidarisch und demokratisch organisiertes Unternehmensmodell. Sie arbeiten dabei mit etablierten Genossenschaften zusammen.
Genossenschaften weltweit
Genossenschaften schaffen weltweit Millionen Arbeitsplätze. Besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. Sie ermöglichen Menschen, selbstbestimmt zu handeln, stärken lokale Wirtschaftskreisläufe und sichern Beschäftigung vor Ort.
Globale Reichweite
Genossenschaften in Zahlen
Globale Förderung
Die Rolle der deutschen Genossenschaftsorganisation
Die deutsche Genossenschaftsorganisation fördert weltweit den Aufbau genossenschaftlicher Strukturen. Ihr primäres Ziel ist es, die wirtschaftliche und soziale Lage der Mitglieder in offenen Genossenschaften zu verbessern. Dafür setzt sie auf den Aufbau robuster Bildungs-, Beratungs- und Prüfungssysteme. Zudem bildet sie junge Fach- und Führungskräfte aus dem Ausland gezielt aus und weiter.
Die Internationale Raiffeisen-Union (IRU): Ein starkes globales Netzwerk
Aus Anlass des 150. Geburtstages von Friedrich Wilhelm Raiffeisen wurde 1968 im Rahmen des Welt-Raiffeisentages in Neuwied die Internationale Raiffeisen-Union (IRU) gegründet. Ihr gehören 73 Mitgliedsorganisationen aus 41 Ländern an.
Jahrelange Vorbereitung - gemeinsam vorangetrieben von der Deutschen Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft und der Raiffeisen-Gesellschaft —
machte sich am 30.11.2016, spätabends in Addis Adeba (dort tagte der sog. „Zwischenstaatliche Ausschuss“), bezahlt: Die Genossenschaftsidee wurde zur ersten erfolgreichendeutschen UNESCO-Nominierung als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit.
Heute hat die UNESCO-Entscheidung aus dem Jahr 2016 weite Kreise gezogen — innerhalb der genossenschaftlichen Welt, aber auch darüber hinaus. Viele genossenschaftliche Akteure tragen die Auszeichnung mit Stolz, platzieren sie in ihren Veröffentlichungen, nutzen sie als Zeichen weltweiter Verbundenheit. Und tragen so dazu bei, die Idee der Genossenschaft bekannt und populär zu machen.