Raiffeisen kennenlernen

Sein Leben, seine Welt, seine Idee: Friedrich Wilhelm Raiffeisen prägte mit seinen Visionen das moderne Genossenschaftswesen.

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Raiffeisens Leben in Daten

1818
1845
1864
1888

Raiffeisens Leben

Verwaltungschef und Start-up-Gründer: Raiffeisens Wirken

Mitten im 19. Jahrhundert, als Not und Armut weit verbreitet sind, erkennt Friedrich Wilhelm Raiffeisen die Bedeutung des Zusammenhalts. Schon als Bürgermeister – zuerst in Weyerbusch, dann in Flammersfeld und später in Heddesdorf bei Neuwied – packt er direkt an. Er initiiert zahlreiche soziale Projekte, um den Menschen zu helfen, lässt Schulen und Straßen bauen. Als Hungersnöte herrschen, baut er kurzerhand ein Backhaus, damit alle Brot haben.

 

Um nachhaltige Strukturen zu schaffen, gründet er den „Heddesdorfer Darlehnskassen-Verein“, das Urbild der modernen Genossenschaften. Sein Ansatz ist revolutionär und wirkt bis heute: In Deutschland sind über 23 Millionen Menschen Teil einer Genossenschaft; weltweit engagieren sich sogar eine Milliarde Menschen in diesem Modell. Damit legte Raiffeisen den Grundstein für eine Bewegung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

 

Der Mensch hinter der Vision: Raiffeisens persönliches Schicksal

Hinter dem engagierten Verwaltungschef steckt ein Mensch mit einem bewegten Leben. 1845 heiratet Raiffeisen zum ersten Mal. Er wird Vater von sieben Kindern, doch drei davon verliert er schon in ihren ersten Lebensmonaten. Auch seine Frau stirbt 1863 viel zu früh, mit nur 36 Jahren. Seine Tochter Amalie wird seine wichtigste Assistentin. Raiffeisen heiratet später noch einmal, die Witwe eines befreundeten Pfarrers. Am 18. März 1888 stirbt er in Heddesdorf. Sein persönliches Schicksal hat ihn nie davon abgehalten, sich für andere einzusetzen.

Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele.
Raiffeisen
F. W. Raiffeisen

Raiffeisens Welt: Eine Epoche im Wandel

Friedrich Wilhelm Raiffeisen wird (fast) 70 Jahre alt und erlebt eine Zeit von großer Dynamik und des Umbruchs. Dies betrifft nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa. Der Strudel der Veränderungen erfasst alle Schichten der Gesellschaft, vor allem jedoch die Bauern auf dem Land und die Arbeiter in den frühen Industriezentren.

 

Postkutsche und Eisenbahn

Die Menschen lassen den „Biedermeier“ hinter sich und entwickeln ein ausgeprägtes politisches Bewusstsein. Sie fordern zunehmend Teilhabe an der Macht. Während Postkutschen noch zum Alltag gehören, nehmen die ersten Eisenbahnen ihren Betrieb auf. Gleichzeitig wird die soziale Frage immer drängender, insbesondere in den ländlichen Regionen.

 

Zwischen neuer Freiheit und wirtschaftlicher Not

Einerseits sorgen Bauernbefreiung und Industrialisierung in den ländlichen Gebieten für eine neue Freizügigkeit und Eigenständigkeit. Andererseits geraten viele Bauern, oft unerfahren in wirtschaftlichen Angelegenheiten, in die Abhängigkeit von Wucherern. Sie verschulden sich hoch, verlieren vielfach ihren Besitz und verarmen.

 

 

Das Bild zeigt ein altes Konto-Buch. Das Bild zeigt ein Relief aus Bronze, das eine Szene zwischen mehreren Menschen darstellt. Der Fokus liegt auf zwei Männern, die sich die Hände schütteln. Links im Bild befindet sich ein Mann mit einem Hut, der offensichtlich zu einem Pferd gehört, das er hält. Dies könnte darauf hindeuten, dass er ein Farmer oder Landbesitzer ist, der ein Geschäft mit einem Besucher oder Arbeiter abschließt.Rechts neben dem Mann sind eine Frau und ein kleines Mädchen zu sehen, die anscheinend eine Tasche oder einen Korb tragen. Das Bild zeigt ein traditionelles Fachwerkhaus.

Raiffeisens Antworten: Hilfe zur Selbsthilfe

Raiffeisen erkennt die Notwendigkeit zu handeln. Als junger Bürgermeister gründet er im Hungerwinter 1846/47 in Weyerbusch den „Verein für Selbstbeschaffung von Brod und Früchten“, auch „Weyerbuscher Brodverein“ genannt. Mit privaten Spenden kauft er Mehl, das in einem eigens errichteten Backhaus zu Brot für die notleidende Bevölkerung gebacken wird. Es folgten 1849 der „Flammersfelder Hülfsverein“ und 1854 der „Heddesdorfer Wohltätigkeitsverein“ – sie alle sind vor-genossenschaftliche Zusammenschlüsse auf karitativer Grundlage. Im Jahr 1864 gründet er schließlich den Heddesdorfer Darlehnskassen-Verein, die erste ländliche Genossenschaft und der Ausgangspunkt der Raiffeisen-Organisation.

Das Bild zeigt ein Hinweisschild entlang einer Landstraße, das auf die "Historische Raiffeisenstraße" hinweist.

Raiffeisen gründete nicht nur Selbsthilfevereine - er ließ auch Straßen bauen

Eine Landstraße von rund 40 Kilometern, von Weyerbusch über Flammersfeld bis hin zu Neuwied am Rhein. So konnten die Bauern dort ihre Waren verkaufen.
Man nennt die Vereine nach meinem Namen. Ich habe dieselben indes nicht erfunden. Der erste Verein war ein Kind unserer Zeit, aus der Not geboren.
Raiffeisen
F. W. Raiffeisen

Raiffeisens Idee: pragmatisch und visionär

Sein christlicher Glaube und das Gebot der Nächstenliebe treiben Raiffeisen an. Er orientiert sich an den Bedürfnissen der Menschen und entwickelt pragmatische Lösungen für ihre Not – Raiffeisen ist ein echter Macher und zeigt, dass man mit Engagement und Visionen die Welt verändern kann.

 

Friedlicher Revolutionär

Sein Ziel ist eine solidarische Gesellschaft, in der sich Menschen gegenseitig unterstützen und gemeinsam etwas erreichen. Er  formt die Gesellschaft auf leise, aber äußerst wirkungsvolle Weise – ohne Massenproteste oder Demonstrationen. So etabliert sich Raiffeisen als ein friedlicher Revolutionär der Solidarität.

 

Gerechtigkeit durch Genossenschaften

Der Erfolg seines Systems ist beeindruckend: Weltweit vertrauen heute rund eine Milliarde Menschen dem Genossenschaftsgedanken. Genossenschaften fördern mehr Gerechtigkeit und ermöglichen vielen Menschen ein besseres Leben. 

 

Einer für alle, alle für einen

Raiffeisens genossenschaftliches Denken strahlt bis heute in unsere Gegenwart. Er setzte dem grenzenlosen Wettbewerb und dem Egoismus das Prinzip des Miteinanders entgegen. Dabei füllte er den Slogan der Drei Musketiere wieder mit Leben: Einer für alle, alle für einen.